Frisierte Gedanken
1
Als du mich küsstest, fielen
Sternschnuppen herab, die meine
Haare in Brand setzten.
Die Wärme deines Feuers
wärmte noch die
Menschen in meiner Nähe.
2
In der Kälte der Luft
werden meine Gedanken
zu Eiszapfen
am Brückengeländer.
Schwäne erfreuen sich
an den langsam fallenden
Tropfen, mit denen meine
Empfindungen die Zeit durcheilen.
Du aber bringst mir die
Schönheit des Herbstes zurück,
der in deinen Augen überlebt.
3
Als der Tee abzukühlen begann,
zogen wir uns unter die
Bettdecke zurück, damit
die Wärme unserer Körper uns
den Frühling zurückgeben konnte.
Zwischen den Falten der Decke
fanden wir Tankstellen des Übermuts.
4
Ich lache hinter dem Rauch
meiner Zigarette her.
Kinder spielen im Garten mit
dem Sommer verstecken,
um ihn aus der Tiefgarage
der Erinnerung hervorzulocken.
Die Zigarette erlischt,
der Sommer ist zwischen
den Kindern eingeschlafen,
die erwachsen wurden.
5
In den Gewölben der Nacht
rufen Eulen nach den
Blumen des Sommers.
In der Dunkelheit vergießen
Häuser unsichtbare Tränen
um ihre verlorene Zukunft.
Und du sitzt in deinem
Traum gefangen
und spielst Schach mit
deinen Erinnerungen an Jetzt.
6
Zwischen den Tönen
einer Geige
fahre ich mit meinen
Händen spazieren;
die Verworrenheit meiner Gedanken
kleide ich in die Sprache
der Musik.
Worte zwischen uns
werden zu Blumengewinden,
die auf den Noten
durch die wohlige Wärme
des Zimmers tanzen.
7
Als mir Hermes die Botschaft brachte
von den Zeiten die da kommen sollten,
zog ich mich hinter dein Zwerchfell zurück,
und lauschte bei dem sich
kräuselnden Rauch meiner Pfeife
dem Brodelns des Lebens,
das mich dort umgab.
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